Handheld-Ultraschallgeräte: Mobile Diagnostik für Praxis, Klinik, Notfallmedizin und Hausbesuche
Handheld-Ultraschallgeräte (auch bekannt als Point-of-Care-Ultraschall oder POCUS) revolutionieren den medizinischen Alltag durch ihre Kombination aus Bildqualität, kompakter Bauform und maximaler Flexibilität. Die kabellosen oder per Kabel mit einem Smartphone oder Tablet verbundenen Sonographie-Systeme ermöglichen eine schnelle und präzise Erstdiagnostik direkt am Patienten, sei es im Schockraum, in der Praxis oder bei Hausbesuchen.
Vor- und Nachteile von Handhelds im Vergleich
- Vorteile:
- Maximale Mobilität: leicht, kompakt und im Arztkittel sofort griffbereit.
- Hohe Platzersparnis: Keine sperrigen Gerätewagen nötig – ideal für kleine Behandlungsräume, beengte Notfallumgebungen oder den mobilen Einsatz.
- Schnelle Verfügbarkeit: Binnen Sekunden einsatzbereit für präzise Point-of-Care-Diagnostik.
- Intuitive Bedienung: Einfache Steuerung über bekannte Touchscreen-Oberflächen (iOS/Android).
- Attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis: deutlich günstiger in der Anschaffung als stationäre Konsolengeräte.
- Unkomplizierte Hygiene: einfache Reinigung und Wischdesinfektion durch vollständig versiegelte, meist wasserdichte Gehäuse.
- Ideal für Lehre & Ausbildung: Perfekt geeignet, um Studierenden, Assistenzärzten und Pflegekräften Ultraschallverfahren anschaulich und direkt am Krankenbett zu vermitteln.
- Nachteile:
- Begrenzte Feindiagnostik: Geringere Eindringtiefe und Auflösung im Vergleich zu High-End-Stationärgeräten.
- Eingeschränkte GKV-Abrechnung: Nicht alle Modelle erfüllen die formellen KBV-Auflagen für die ambulante Kassenabrechnung (i. d. R. hingegen uneingeschränkt nutzbar für Privatärzte, IGeL & Notfallscreenings).
- Akkubegrenzung: Limitierte Laufzeit erfordert regelmäßiges Aufladen zwischen Einsätzen.
- Displaygröße: Bilddarstellung ist an die Screengröße des genutzten Mobilgeräts gebunden.
Anwendungsbereiche & Fachdisziplinen
| Fachbereich | Diagnostisches Verfahren | Typische Indikationen & Einsatzzwecke |
| Anästhesiologie | Ultraschallgesteuerte Punktion, Regionalanästhesie | Führung bei Teilnarkosen sowie Durchführung ultraschallgeführter Biopsien. |
| Angiologie | Kardiovaskulärer Ultraschall | Diagnostik von Krampfadern und tiefen Venenthrombosen sowie Beurteilung bei Verdacht auf Lungenembolie (z. B. Vergrößerung des rechten Ventrikels, Trikuspidalinsuffizienz, Septumverschiebung, Thromben). |
| Allgemeinmedizin | Abdomensonographie | Schnelle und unkomplizierte Ultraschalluntersuchung des Bauchraums. |
| Gynäkologie & Geburtshilfe | Abdomensonographie, Endosonographie, Fetometrie, 3D-/4D-Ultraschall | Bestimmung des Gestationsalters, Messung des Fruchtwasservolumens sowie Diagnose gynäkologischer Infektionen (z. B. Tubo-Ovarial-Abszesse). |
| Kardiologie | Fokussierte Echokardiographie | Diagnose von Perikardergüssen, Beurteilung der linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) und des Volumenstatus bei Schock/Kollaps sowie Entscheidungshilfe beim Abwägen von Reanimationsmaßnahmen. |
| Notfallmedizin & Intensivmedizin | POCUS (Protokolle: FAST, BLUE, RADIUS, RUSH, FEEL, ACES), Triage | Erstbeurteilung von Traumapatienten am Point of Care oder in der Klinik, Lungenultraschall am Krankenbett sowie Triage in Krisengebieten. |
| Sportmedizin & Orthopädie | MSK-Ultraschall | Diagnostik von Sehnen-, Muskel- und Bandverletzungen (z. B. partielle oder vollständige Risse der Rotatorenmanschette, Meniskusrisse). |
| Urologie | Restharnsonographie, Sonographie der Niere | Bestimmung des Blasenvolumens und des Restvolumens der Harnblase sowie Vermessung von beispielsweise Nierenlänge, Nierenbecken, Hydronephrose und Nierenzysten. |
Hinweis: Diese Tabelle bietet nur einen Auszug über Fachbereiche und Einsatzmöglichkeiten.
Wichtige Kaufkriterien im Überblick
| Kriterium | Ausprägung | Nutzen |
| Sondentyp | Convex, Linear, Phased Array oder Dualsonde | Bestimmt das Einsatzgebiet (Tiefengewebe vs. oberflächennah). |
| Konnektivität | WLAN, Bluetooth, USB-C (iOS & Android) | Nahtlose Übertragung auf Tablet, Smartphone oder Praxis-IT. |
| Bildqualität & Moden | B-Mode, Farbdoppler, M-Mode, etc. | Zuverlässige Gewebe- und Gefäßdarstellung für präzise Befunde. |
| Akkulaufzeit | 60 bis 120 Minuten Dauerbetrieb | Ausreichend Kapazität für mehere Einsätze oder Hausbesuche. |
| Datenschutz & DICOM | DSGVO-konforme App, DICOM 3.0, PACS-Integration | Reibungslose Einbindung in die digitale Patientenakte. |
Haufig gestellte Fragen zu POCUS-Systemen
Wie wird das Handheld-Ultraschallgerät bedient?
Die Steuerung erfolgt intuitiv über eine App des Herstellers auf Ihrem Tablet oder Smartphone. Einstellungen wie Tiefe, Gain oder der Moduswechsel werden direkt per Touchscreen vorgenommen.
Ersetzen Handheld-Geräte klassische High-End-Ultraschallsysteme?
Nein, Handheld-Systeme sind als mobile Ergänzung für die schnelle Point-of-Care-Diagnostik konzipiert. Für die hochspezialisierte Feindiagnostik sind stationäre Geräte weiterhin der Goldstandard.
Können Handheld-Ultraschallgeräte über die KV abgerechnet werden?
Je nach Kassenärztlicher Vereinigung und gewähltem Gerät unterscheiden sich die Gegebenheiten für eine Abrechnung im GKV-Bereich. Wir empfehlen Ärztinnen und Ärzten deshalb, die spezifischen Abrechnungsmöglichkeiten vorab direkt mit ihrer zuständigen KV zu klären. Für Privatpatienten (GOÄ) und IGeL-Leistungen und Notfallscreenings können die Geräte i. d. R. uneingeschränkt eingesetzt werden.
Wie erfolgt die Hygiene und Reinigung?
Da die Sonde vollständig versiegelt ist (in der Regel nach IPX7 wasserdicht), lässt sie sich problemlos mit gängigen Wischdesinfektionsmitteln reinigen und desinfizieren.



